- In führenden europäischen Märkten beschleunigt sich die Einführung schwerer elektrischer Nutzfahrzeuge – die Pilotphase ist vielerorts bereits abgeschlossen
- Klare politische Rahmenbedingungen, gezielte Förderung und der Ausbau der Ladeinfrastruktur treiben die Verbreitung voran – doch der Fortschritt ist von Land zu Land sehr unterschiedlich
- Die jüngste Energiekrise hat gezeigt, wie verwundbar Europa durch seine Abhängigkeit von importierten fossilen Brennstoffen ist
- Das Whitepaper benennt zentrale politische Stellschrauben, um die flächendeckende Einführung voranzutreiben und eine Zersplitterung der europäischen Verkehrswende zu verhindern
31. März 2026, Amsterdam, Niederlande – Der Umstieg auf schwere elektrische Nutzfahrzeuge (eHDVs) gewinnt europaweit an Dynamik. Doch unterschiedliche politische Rahmenbedingungen und Marktgegebenheiten drohen die großflächige Einführung auszubremsen. Als Betreiber des größten öffentlichen Schnellladenetzes für schwere Nutzfahrzeuge in Europa bewertet Milence in einem heute veröffentlichten Whitepaper die Marktreife. Das Papier zeigt auf, welche Schritte nötig sind, um den Wandel hin zu emissionsfreiem Straßengüterverkehr zu beschleunigen.
Die jüngste Energiekrise hat deutlich gemacht, welche strukturellen Risiken Europas Abhängigkeit von importierten fossilen Brennstoffen birgt: Schwankende Öl- und Gaspreise haben die Betriebskosten für Lkw um 9–11 Cent pro Kilometer in die Höhe getrieben und für erhebliche Planungsunsicherheit bei Flottenbetreibern gesorgt. Die Elektrifizierung bietet hier einen klaren Ausweg. Sie kann nicht nur Kosten senken, sondern auch Europas Energiesicherheit stärken und für widerstandsfähigere Lieferketten sorgen. Voraussetzung dafür ist allerdings ein zügiger Ausbau sowohl der Fahrzeugflotten als auch der Ladeinfrastruktur.
Das Whitepaper „Elektrifizierung des europäischen Straßengüterverkehrs. Marktstatus, Rahmenbedingungen und der Weg nach vorne“ untersucht 14 europäische Länder und bewertet die entscheidenden Faktoren für die Verbreitung von Elektro-Lkw. Das Ergebnis: Vorreiterländer wie die Schweiz, Dänemark und die Niederlande haben die Pilotphase bereits hinter sich gelassen – viele andere stehen dagegen noch ganz am Anfang.
Erste Marktdynamik – aber noch weit entfernt von der Skalierung
Die Analyse bestätigt: Elektro-Lkw kommen zunehmend im Realbetrieb zum Einsatz. Erste Anwender belegen in immer mehr Einsatzszenarien, dass die Fahrzeuge zuverlässig und wirtschaftlich arbeiten.
Dennoch hat sich in Europa noch keine sich selbsttragende Dynamik entwickelt, bei der sich Fahrzeugabsatz, Infrastrukturausbau und Kostensenkungen gegenseitig verstärken. Die Verbreitung bleibt ungleichmäßig, zwischen den einzelnen Märkten bestehen teils erhebliche Unterschiede.
Der politische Rahmen entscheidet über den Markterfolg
Das Papier macht deutlich: Der Markterfolg hängt maßgeblich davon ab, ob ein schlüssiger politischer Rahmen vorhanden ist – mit mehreren aufeinander abgestimmten Maßnahmen statt einzelner Instrumente.
Als entscheidende Hebel erweisen sich:
- Günstige Energiepreisstrukturen, bei denen Stromkosten– beeinflusst durch Steuern, Netzentgelte und Abgaben – mit Dieselpreisen mithalten können
- CO2-differenzierte Maut: Sie verschafft Elektro-Lkw einen sofortigen und spürbaren Betriebskostenvorteil
- Langfristige Kaufprämien und Finanzierungshilfen: Sie federn die höheren Anschaffungskosten ab
- Zuverlässige, Lkw Ladeinfrastruktur entlang der wichtigsten Güterverkehrskorridore
Hinzu kommen neue Instrumente wie handelbare Erneuerbare-Energien-Zertifikate im Rahmen der Erneuerbare-Energien-Richtlinie (RED III), die den wirtschaftlichen Vorteil von Elektro-Lkw weiter stärken können – auch wenn Umsetzung und Wertigkeit derzeit von Mitgliedstaat zu Mitgliedstaat stark schwanken.
Das Bild ist eindeutig: Länder, die diese Elemente bündeln, verzeichnen bereits eine deutlich stärkere Marktdurchdringung. Wo ein konsistenter Maßnahmenmix fehlt, hinkt die Entwicklung hinterher.
Ladeinfrastruktur wächst – doch Lücken bleiben
Der Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur kommt gut voran: Entlang wichtiger Güterverkehrskorridore stehen bereits knapp 1.800 Lkw-geeignete Ladepunkte zur Verfügung. Milence betreibt aktuell 33 Ladeparks mit insgesamt 221 Ladepunkten in acht europäischen Ländern und schafft damit eine wichtige Grundlage für den elektrischen Fernverkehr.
Allerdings verläuft der Ausbau nach wie vor ungleichmäßig. Für eine großflächige Elektrifizierung muss das Tempo weiter steigen – unterstützt durch gezielte Finanzierung und schlankere Genehmigungsverfahren.
Gesamtbetriebskosten werden in wichtigen Märkten zunehmend wettbewerbsfähig
Eine detaillierte Analyse [JE2.1]für Deutschland, die Niederlande und Schweden zeigt: Die Gesamtbetriebskosten (TCO) von Elektro-Lkw nähern sich dem Dieselniveau – und unterschreiten es teilweise bereits:
• In den Niederlanden sind eHDVs in mehreren Einsatzszenarien schon heute die günstigere Wahl
• In Deutschland sorgen vollständige Mautbefreiungen für starke und verlässliche wirtschaftliche Anreize
• In Schweden begünstigen niedrige Strompreise die Elektrifizierung, doch im Fernverkehr fehlen noch ergänzende betriebliche Anreize
Mit Blick nach vorn wird das EU-Emissionshandelssystem ETS II den Business Case für Elektro-Lkw weiter verbessern, da fossile Kraftstoffe dadurch teurer werden.
Die Lücke schließen: Was funktioniert, muss europaweit skaliert werden
Europa hat kein Technologieproblem – sondern ein Politikproblem. Vorreitermärkte haben längst bewiesen, dass Elektro-Lkw unter den richtigen Bedingungen wirtschaftlich tragfähig sind. Vielen anderen Mitgliedstaaten fehlt jedoch nach wie vor ein schlüssiger politischer Rahmen. Fehlende Mautdifferenzierung, geringe finanzielle Unterstützung und schleppender Infrastrukturausbau bremsen die Verbreitung.
Was die führenden Märkte auszeichnet, ist das Zusammenspiel aus nachfrageseitigen Anreizen, klaren Betriebskostenvorteilen und verlässlicher Ladeinfrastruktur. Genau diesen bewährten Maßnahmenmix gilt es jetzt europaweit auszurollen. Ohne zügige Angleichung droht eine Verkehrswende mit mehreren Geschwindigkeiten – mit negativen Folgen für den grenzüberschreitenden Güterverkehr und die Klimaziele. Der Weg ist klar vorgezeichnet: Was in den Vorreitermärkten funktioniert, muss auf ganz Europa übertragen werden, um einen echten europäischen Markt für elektrischen Güterverkehr zu schaffen.
„Elektrischer Güterverkehr ist nicht nur ein Schlüssel zur Dekarbonisierung des Transportsektors – er ist auch eine strategische Säule der europäischen Energiewende und Energieunabhängigkeit. Diesen Markt jetzt hochzufahren heißt: weniger Abhängigkeit von importierten fossilen Brennstoffen, mehr Resilienz, mehr Wettbewerbsfähigkeit. Die Technologie steht bereit, der Business Case zeichnet sich ab, die Infrastruktur entsteht. Jetzt kommt es auf Tempo und Konsequenz in der Politik an – in allen Mitgliedstaaten“, so Anja van Niersen, CEO von Milence.








